Die Arbeit der Ökonomiekommission

Der Kapitalismus macht nicht am Eingang von Mexmûr halt. Etwa 50 kleine Läden und Betriebe gibt es im Camp, die in Privatbesitz sind. Große Unterschiede zwischen Arm und Reich gibt es im Camp nicht, da die Familien und Nachbarschaften ihren Wohlstand teilen. Trotzdem ist allen klar, dass die kapitalistische Wirtschaftsweise Probleme mit sich bringt, die weit über das Materielle hinausgehen. Daher werden Projekte solidarischen Wirtschaftens vom Volksrat aus initiiert oder gefördert. Es gibt z.B. eine Cafeteria, die kollektiv betrieben wird.
Ca. 100 Familien haben vor einem Jahr eine Konsumgenossenschaft gegründet, mit deren Hilfe der Handel im Camp reguliert und kommunal organisiert werden soll. Mehrere kleine Kooperativen produzieren in begrenztem Umfang, um nicht vollständig abhängig von der Wirtschaft außerhalb des Camps zu bleiben. Wir haben ein Gespräch mit drei Mitgliedern der Ökonomiekommission über ihr Verständnis einer solidarischen Wirtschaft führen können.

Worin bestehen die grundlegenden Aufgaben der Öko-
nomiekommission?

Als Gegenmodell zur kapitalistischen Marktwirtschaft versuchen wir hier im Camp eine kommunale Wirtschaft aufzubauen. Das tun wir vor allem, indem wir Kooperativen ins Leben rufen. Ein Beispiel dafür ist die Kooperative, in der wir unsere Lebensmittel einkaufen. Diese Kooperative bezieht ihre Waren von außerhalb des Camps, arbeitet im Camp selbst aber als Kooperative. Dieses System der Kooperativen versuchen wir noch weiter auszubauen. Dafür rufen wir verschiedene Projekte ins Leben. Wir haben das Problem, dass wir von der wirtschaftlichen Situation in Südkurdistan und dem Irak abhängig sind. Beide Regionen durchlaufen zurzeit eine schwere wirtschaftliche Krise. Dadurch erschwert sich unsere Situation auch und wir können unsere Projekte nicht wie gewünscht umsetzen. Derzeit versuchen wir im Rahmen eines Projekts den landwirtschaftlichen Anbau voranzutreiben, indem wir Gewächshäuser einrichten. Wir versuchen gemeinsam mit der Stadtverwaltung des Camps Projekte umzusetzen. Die wirtschaftliche Situation im Camp ist zum Teil schwierig. Manche Familien haben große wirtschaftliche Probleme. Wir verfügen hier nicht über eine eigene Subsistenzwirtschaft, weshalb die Menschen zum Großteil von außen abhängig sind. Um das abzumildern, versuchen wir Formen kollektiver Wirtschaft im Camp zu etablieren.

Wie sehen die Formen kollektiven Wirtschaftens hier in Mexmûr konkret aus?

Zu Beginn würde ich gerne noch einmal auf die grundlegenden Überlegungen eingehen, auf denen unsere Arbeiten basieren. Unser wichtigstes Argument ist die Art und Weise des Wirtschaftens zu Zeiten der ‚natürlichen Gesellschaft‘. Wir streben eine Wirtschaftsform an, mit der die Bedürfnisse der Gesellschaft befriedigt werden und die Gesellschaft geschützt wird. Seit dem Beginn der Zivilisationsgeschichte haben das Patriarchat und auch der Kapitalismus durch die Unterwerfung der Frau und die Aneignung des wirtschaftlichen Mehrwerts ihre eigene Macht aufbauen, institutionalisieren und zunehmend ausweiten können. Seit ca. 5.000 Jahren dauert dieser Prozess an. Heute ist es der Kapitalismus, der versucht dieses System der Gesellschaft aufzuzwingen.
Auf der Grundlage vom freien Markt, Handel etc. versucht dieses System die Gesellschaft zu formen und zu kontrollieren. Indem es Geld ins Zentrum stellt, stärkt sich das System und sichert seine eigene Existenz auf Kosten der Gesellschaft. Darauf basiert das System. Unser System, das wir als Alternative zum bestehenden System aufbauen möchten, basiert auf drei Säulen: Erstens, die Organisierung der Gesellschaft, das heißt der Aufbau von Kommunen und Volksräten, durch die sich die Gesellschaft selbst verwaltet. Zweitens, Bildung und Gesundheit. Die dritte Säule ist die Ökonomie. Wir vertreten die Überzeugung, dass die Wirtschaft der Gesellschaft gehört. Sie ist nicht etwas, das den Staaten oder den Individuen gehört. Die Grundlage der Wirtschaft ist es, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen, also sich sättigen und pflegen zu können. Heute erleben wir Wirtschaft als Krieg, Ausbeutung oder Armut. Unser System ist eine Alternative dazu.

 

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