Über die Ideen und Ziele der diplomatischen Arbeiten

Die Diplomatiekommission ist das Sprachrohr des Geflüchtetencamps Mexmûr in die Außenwelt. Die Vertreter*innen verhandeln nicht nur über humanitäre Fragen im Camp mit den politischen Verantwortlichen der Autonomen Region Kurdistans, der Zentralregierung in Bagdad oder den Vereinten Nationen, sondern versuchen auch das Gesellschaftsmodell des Camps in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Das ist gerade in den verworrenen politischen Verhältnissen des Mittleren Ostens eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Ihre Arbeit leisten sie im stetigen Austausch mit den Vertrer*innen des Volksrates und der gesamten Bevölkerung des Camps. Wir sprachen mit drei Mitgliedern der Diplomatiekommission über ihre Arbeiten und die Herausforderungen, mit denen sie tagtäglich zu kämpfen haben.

Mahmud: Ich werde auf Kurdisch sprechen. Mein Name ist Mahmud Ahmet. Wir sind seit 1994 Geflüchtete. Das gilt für uns alle. Die Menschen hier in Mexmûr sind in verschiedenen Zeitabschnitten geflüchtet. Aber die meisten von uns sind zwischen 1993 und 1994 geflohen. Es gab von Anfang an Leute im Camp, die sich um die Diplomatie gekümmert haben. Es gab keine offizielle Struktur. Aber für den Kontakt mit der UN, mit der Regionalregierung Südkurdistan oder mit Hilfsorganisationen erklärten sich Leute bereit, im Bereich der Diplomatie zu arbeiten. 1996 wählte die Bevölkerung offiziell durch Wahlen im Camp Etrûş ihre diplomatischen Vertreter*innen. Auch damals war ich Teil des Komitees. Von damals bis heute dauert unsere institutionalisierte Arbeitsweise an.

Die Mitglieder des Komitees wechseln. Teilweise werden diplomatische Vertreter*innen durch Institutionen im Camp ernannt und teilweise durch den Volksrat gewählt. Aber die Einrichtung der Diplomatie bleibt bestehen. Die diplomatische Arbeit basiert auf verschiedenen Grundpfeilern. Am Anfang drehte sich unsere Arbeit vor allem um die ökonomischen und humanitären Sorgen der Menschen des Camps. Es ging um Nahrungshilfen, um Gaslieferungen, die Gesundheitsversorgung oder Mittel für die Schulbildung, also um die Bedürfnisse der Gesellschaft. Aber mit der Zeit änderte sich die Struktur und die Zielsetzung unserer Arbeit. Es ging uns nicht mehr bloß darum, Hilfe von außerhalb für das Camp zu erhalten. Unser Ziel war auch der Aufbau von Strukturen nach ideologischen Maßgaben.

Die diplomatische Arbeit unseres Komitees ist nicht so ausgerichtet, dass wir alles machen können, was wir wollen. Eine solche Befugnis haben wir nicht. Wir sind Teil des Volksrates und dieser ist gegenüber uns weisungsbefugt. Alle zwei Monate verfassen wir einen Bericht über unsere Arbeiten. Unsere Zielsetzung ist es zum Vorteil der Menschen, also im Dienste der Bevölkerung zu agieren und auch die Bewegung, die hinter unserem Modell steht, bekannt zu machen.
Manchmal ergeben sich Gelegenheiten, bei denen wir mit diplomatischen Vertreter*innen aus dem Ausland sprechen. Dann thematisieren wir auch die politischen Probleme unserer Bevölkerung. Des Weiteren stehen wir mit Vertreter*innen der UN in Kontakt. Gleichzeitig kommt es regelmäßig zu Gesprächen mit Vertreter*innen der irakischen Regierung und der Regionalregierung Südkurdistans. Oft treffen wir uns mit Hilfsorganisationen, die teilweise zur UN gehören. Wir sprechen auch mit Menschenrechtsorganisationen.

Das Ziel all dieser Gespräche ist stets die Lösung der gesellschaftlichen Probleme unserer Bevölkerung und zugleich das Bekanntmachen unserer politischen Frage, also weswegen wir hier sind. Unsere Freund*innen reisen von Zeit zu Zeit nach Bagdad, um mit Verantwortlichen über bestimmte Sachverhalte zu sprechen. In Hewlêr (Erbil) sind wir ohnehin regelmäßig. Bei diesen Gesprächen ist es uns immer ein Herzensanliegen, die Ideen der Bewegung, die Philosophie von Abdullah Öcalan bekannt zu machen. Vielleicht haben wir dazu nicht bei jedem Gespräch Gelegenheit, weil dringende gesellschaftliche Fragen im Vordergrund stehen. Es bleibt aber unser Ziel, dass diese Ebene bei den diplomatischen Gesprächen nicht zu kurz kommt.

 

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